Manufaktur
1. Manufakturen waren die kapitalistische Vorform der modernen Fabrik
Manufakturen traten an die Stelle der selbständigen handwerks-mäßigen Einzelarbeiter durch Zusammenfassung mehrerer Hand-werker in einer Werkstatt.
„Die auf Teilung der Arbeit beruhende Kooperation schafft sich ihre klassische Gestalt in der Manufaktur. ... Diese herrscht ...vor ... von Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum letzten Drittel des achtzehnten Jahrhunderts ...“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 356.
1.1. Doppelter Ursprung der Manufaktur
„Die Manufaktur entspringt auf doppelte Weise. Entweder werden Arbeiter von verschiedenartigen, selbständigen Handwerken, durch deren Hände ein Produkt bis zu seiner letzten Reife laufen muss, in eine Werkstatt unter dem Kommando desselben Kapitalisten vereinigt.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 356. (Beispiel: Kutschenherstellung durch Zusammenfassung von Stellmacher, Sattler, Schlosser etc.)
„Die Manufaktur entspringt aber auch auf entgegengesetztem Wege. Es werden viele Handwerker, die dasselbe oder Gleichartiges tun, z. B. Papier oder Typen oder Nadeln machen, von demselben Kapital gleichzeitig in derselben Werkstatt beschäftigt. Es ist dies Kooperation in der einfachsten Form.
Jeder dieser Handwerker ... macht diee ganze Ware ... Er arbeitet in seiner alten handwerksmäßigen Weise fort.
Indes veranlassen bald äußere Umstände, die Konzentration der Arbeiter in demselben Raum und die Gleichzeitigkeit ihrer Arbeiten anders zu vernutzen. Es soll z. B. eine größere Menge fertiger Ware in einer bestimmten Zeitfrist geliefert werden. Die Arbeit wird daher verteilt. Statt die verschiedenen Operationen von demselben Handwerker in einer zeitlichen Reihenfolge verrichten zu lassen, werden sie voneinander losgelöst ..., jede derselben einem anderen Handwerker zugewiesen und alle zusammen von den Kooperierenden gleichzeitig ausgeführt. ...
Aus dem individuellen Produkt eines selbständigen Handwerkers, der vielerlei tut, verwandelt sich die Ware in das gesellschaftliche Produkt eines Vereins von Handwerkern, von denen jeder fortwährend nur eine und dieselbe Teiloperation verrichtet.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 357f.
„Die Ursprungsweise der Manufaktur, ihre Herausbildung aus dem Handwerk ist also zweiseitig. Einerseits geht sie von der Kombination verschiedenartiger, selbständiger Handwerker aus ...
Andererseits geht sie von der Kooperation gleichartiger Handwerker aus, zersetzt dasselbe individuelle Handwerk in seine verschiedenen besonderen Operationen ... bis zu dem Punkt, wo jede derselben zur ausschließlichen Funktion eines besonderen Arbeiters wird. ...
Welches aber immer ihr besonderer Ausgangspunkt, ihre Schlussgestalt ist dieselbe – ein Produktionsmechanismus, dessen Organe Menschen sind.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 358.
1.2. Der Teilarbeiter und sein Werkzeug
„Gehen wir nun näher auf das einzelne ein, so ist zunächst klar, dass ein Arbeiter, der lebenslang eine und dieselbe einfache Operation verrichtet, seinen ganzen Körper in ihr automatisch einseitiges Organ verwandelt und daher weniger Zeit dazu verbraucht als der Handwerker, der eine ganze Reihe von Operationen abwechselnd ausführt.
Der kombinierte Gesamtarbeiter, der den lebendigen Mechanismus der Manufaktur bildet, besteht aber aus lauter solchen einseitigen Teil-arbeitern. Im Vergleich zum selbständigen Handwerk wird daher mehr in weniger Zeit produziert oder die Produktivkraft der Arbeit gesteigert.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 359.
„Die Produktivität der Arbeit hängt nicht nur von der Virtuosität des Arbeiters ab, sondern auch von der Vollkommenheit seiner Werkzeuge. ... Die Differenzierung der Arbeitsinstrumente ... und ihre Spezia-lisierung ... charakterisieren die Manufaktur. Zu Birmingham allein produziert man etwa 500 Varietäten von Hämmern, wovon jeder nicht nur für einen besonderen Produktionsprozess, sondern eine Anzahl Varietäten oft nur für verschiedene Operationen in demselben Prozess dient. Die Manufakturperiode vereinfacht, verbessert und vermannig-facht die Arbeitswerkzeuge durch deren Anpassung an die ausschließ-lichen Sonderfunktionen der Teilarbeiter. Sie schafft damit zugleich eine der materiellen Bedingungen der Maschinerie, die aus einer Kombination einfacher Instrumente besteht.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 361f.
„Der Detailarbeiter und sein Instrument bilden die einfache Elemente der Manufaktur. Wenden wir uns jetzt zu ihrer Gesamtgestalt.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 362.
1.3. Die beiden Grundformen der Manufaktur –
heterogene und organische Manufaktur
„Die Gliederung der Manufaktur besitzt zwei Grundformen, ... Dieser Doppelcharakter entspringt aus der Natur des darin hergestellten Produkts selbst. Es wird entweder gebildet durch bloß mechanische Zusammensetzung selbständiger Teilprodukte oder verdankt seine fertige Gestalt einer Reihenfolge zusammenhängender Prozesse und Manipulationen.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 362.
1.3.1. Heterogene Manufaktur: Uhrmanufaktur
„Nur wenige Teile der Uhr laufen durch verschiedene Hände, und alle diese Einzelglieder sammeln sich erst in der Hand, die sie schließlich in ein mechanisches Ganzes verbindet. Dies äußerliche Verhältnis des fertigen Produkts zu seinen verschiedenartigen Elementen lässt hier ... die Kombination der Teilarbeiter in derselben Werkstatt zufällig sein. Die Teilarbeiten können selbst wieder als voneinander unabhängige Handwerke betrieben werden, ...“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 363.
1.3.2. Organische Manufaktur: Drahtmanufaktur
„Die zweite Art der Manufaktur, ihre vollendete Form, produziert Dinge, die zusammenhängende Entwicklungsphasen, eine Reihenfolge von Stufenprozessen durchlaufen, wie z. B. der Draht in der Nähnadel-manufaktur die Hände von 72 und selbst 92 spezifischen Teilarbeitern durchläuft.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 364.
„Da das Teilprodukt jedes Teilarbeiters zugleich nur eine besondere Entwicklungsstufe desselben Produkts ist, liefert ein Arbeiter dem anderen oder eine Arbeitergruppe der anderen ihr Rohmaterial. Das Arbeitsresultat des einen bildet den Ausgangspunkt für die Arbeit des anderen. Der eine Arbeiter beschäftigt daher hier unmittelbar den anderen.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 365.
„Es ist klar, dass diese unmittelbare Abhängigkeit der Arbeiten und daher der Arbeiter voneinander jeden einzelnen zwingt, nur die notwendige Zeit zu seiner Funktion zu verwenden, und so eine ganz andere Kontinuität, Gleichförmigkeit, Regelmäßigkeit, Ordnung und namentlich auch Intensität der Arbeit erzeugt wird als im unabhängigen Handwerk oder selbst der einfachen Kooperation.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 365f.
„Die manufakturmäßige Teilung der Arbeit ... schafft auch ein mathema-tisch festes Verhältnis für den quantitativen Umfang dieser Organe, d. h. für die relative Arbeiterzahl oder relative Größe der Arbeitergruppen in jeder Sonderfunktion. Sie entwickelt mit der qualitativen Gliederung die quantitative Regel und Proportionalität des gesellschaftlichen Arbeits-prozesses.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 366.
„Die Manufakturperiode ... entwickelt sporadisch auch den Gebrauch von Maschinen, namentlich für gewisse einfache erste Prozesse, die massenhaft und mit großem Kraftaufwand auszuführen sind. So wird z. B. bald in der Papiermanufaktur das Zermalmen der Lumpen durch Papiermühlen und in der Metallurgie das Zerstoßen der Erze durch so genannte Pochmühlen verrichtet.
Die elementarische Form aller Maschinen hatte das römische Kaiser-reich überliefert in der Wassermühle. ... Im Großen und Ganzen jedoch spielt die Maschinerie eine Nebenrolle, ...“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 368f.
„Die spezifische Maschinerie der Manufakturperiode bleibt der aus vielen Teilarbeitern kombinierte Gesamtarbeiter selbst. Die verschiedenen Operationen, die der Produzent der Ware abwechselnd verrichtet ... nehmen ihn verschiedenartig in Anspruch. In der einen muss er mehr Kraft entwickeln, in der anderen mehr Gewandtheit, in der dritten mehr geistige Aufmerksamkeit usw., und dasselbe Individuum besitzt diese Eigenschaften nicht in gleichem Grad. Nach der Trennung, Verselbständigung und Isolierung der verschiedenen Operationen werden die Arbeiter ihren vorwiegenden Eigenschaften gemäß geteilt, klassifiziert und gruppiert.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 369.
„Da die verschiedenen Funktionen des Gesamtarbeiters einfacher oder zusammengesetzter, niedriger oder höher sind, erfordern seine Organe, die individuellen Arbeitskräfte, sehr verschiedene Grade der Ausbildung und besitzen daher sehr verschiedene Werte. Die Manufaktur entwickelt also eine Hierarchie der Arbeitskräfte, der eine Stufenleiter der Arbeitslöhne entspricht.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 370.
„Die Manufaktur erzeugt daher in jedem Handwerk, das sie ergreift, eine Klasse so genannter ungeschickter Arbeiter, die der Handwerksbetrieb streng ausschloss. Wenn die Manufaktur die durchaus vereinseitigte Spezialität auf Kosten des ganzen Arbeitsvermögens zur Virtuosität entwickelt, beginnt sie auch schon den Mangel aller Entwicklung zu einer Spezialität zu machen.
Neben die hierarchische Abstufung tritt die einfache Scheidung der Arbeiter in geschickte und ungeschickte. Für letztere fallen die Erler-nungskosten ganz weg, für erstere sinken sie, im Vergleich zum Handwerker, infolge vereinfachter Funktion. In beiden Fällen sinkt der Wert der Arbeitskraft.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 371.
„Der Gesamtarbeiter besitzt jetzt alle produktiven Eigenschaften in gleich hohem Grad der Virtuosität und verausgabt sie zugleich aufs ökonomischste, indem er alle seine Organe, individualisiert in besonderen Arbeitern oder Arbeitergruppen, ausschließlich zu ihren spezifischen Funktionen verwendet.
Die Einseitigkeit und selbst die Unvollkommenheit des Teilarbeiters werden zu einer Vollkommenheit als Glied des Gesamtarbeiters.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 369f.
2. Teilung der Arbeit innerhalb der Manufaktur und
Teilung der Arbeit innerhalb der Gesellschaft
„Wir betrachteten erst den Ursprung der Manufaktur, dann ihre einfachen Elemente, den Teilarbeiter und sein Werkzeug, endlich ihren Gesamtmechanismus.
Wir berühren jetzt kurz das Verhältnis zwischen der manufakturmäßigen Teilung der Arbeit und der gesellschaftlichen Teilung der Arbeit, welche die allgemeine Grundlage aller Warenproduktion bildet.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 371.
„Hält man nur die Arbeit selbst im Auge, so kann man die Trennung der gesellschaftlichen Produktion in ihre großen Gattungen, wie Agrikultur, Industrie usw., als Teilung der Arbeit im Allgemeinen, die Sondierung dieser Produktionsgattungen in Arten und Unterarten als Teilung der Arbeit im Besonderen, und die Teilung der Arbeit innerhalb einer Werkstatt als Teilung der Arbeit im Einzelnen bezeichnen.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 371.
„Die Teilung der Arbeit innerhalb der Gesellschaft und die entspre-chende Beschränkung der Individuen auf besondere Berufssphären entwickelt sich, wie die Teilung der Arbeit innerhalb der Manufaktur von entgegengesetzten Ausgangspunkten. Innerhalb einer Familie ... entspringt eine naturwüchsige Teilung der Arbeit aus den Geschlechts- und Altersverschiedenheiten, also auf rein physiologischer Grundlage, die mit der Ausdehnung des Gemeinwesens, der Zunahme der Bevölkerung und namentlich dem Konflikt zwischen verschiedenen Stämmen und der Unterjochung eines Stamms durch den anderen ihr Material ausweitet.
Andererseits, wie ich früher bemerkt, entspringt der Produktenaustausch an den Punkten, wo verschiedene Familien, Stämme, Gemeinwesen in Kontakt kommen, denn nicht Privatpersonen, sondern Familien, Stämme usw. treten sich in den Anfängen der Kultur selbständig gegenüber.
Verschiedene Gemeinwesen finden verschiedene Produktionsmittel und verschiedene Lebensmittel in ihrer Naturumgebung vor. Ihre Produk-tionsweise, Lebensweise und Produkte sind daher verschieden. Es ist diese naturwüchsige Verschiedenheit, die bei dem Kontakt der Gemeinwesen den Austausch der wechselseitigen Produkte und daher die allmähliche Verwandlung dieser Produkte in Waren hervorruft. Der Austausch schafft nicht den Unterschied der Produktionssphären, sondern setzt die unterschiedenen Produktionssphären in Beziehung und verwandelt sie so in mehr oder minder voneinander abhängige Zweige einer gesellschaftlichen Gesamtproduktion.
Hier entsteht die gesellschaftliche Teilung der Arbeit durch den Austausch ursprünglich verschiedener, aber voneinander unabhängiger Produktionssphären. Dort, wo die physiologische Teilung der Arbeit den Ausgangspunkt bildet, lösen sich die besonderen Organe eines unmittelbar zusammengehörigen Ganzen voneinander ab ... und verselb-ständigen sich bis zu dem Punkt, wo der Zusammenhang der verschie-denen Arbeiten durch Austausch der Produkte als Waren vermittelt wird.
Es ist in dem einen Fall Verunselbständigung der früher Selbständigen, in dem anderen Verselbständigung der früher Unselbständigen.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 372f.
„Die Grundlage aller entwickelten und durch Warenaustausch vermittelten Teilung der Arbeit ist die Scheidung von Stadt und Land. Man kann sagen, dass die ganze ökonomische Geschichte der Gesellschaft sich in der Bewegung dieses Gegensatzes resümiert ...“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 373.
„Trotz der zahlreichen Analogien jedoch und der Zusammenhänge zwischen der Teilung der Arbeit im Innern der Gesellschaft und der Teilung innerhalb einer Werkstatt sind beide nicht nur graduell, sondern wesentlich unterschieden. ...
Was aber stellt den Zusammenhang her zwischen den unabhängigen Arbeiten von Viehzüchter, Gerber, Schuster? Das Dasein ihrer respektiven Produkte als Waren.
Was charakterisiert dagegen die manufakturmäßige Teilung der Arbeit? Dass der Teilarbeiter keine Ware produziert. Erst das gemeinsame Produkt der Teilarbeiter verwandelt sich in Ware.
Die Teilung der Arbeit im Innern der Gesellschaft ist vermittelt durch den Kauf und Verkauf der Produkte verschiedener Arbeitszweige, der Zusammenhang der Teilarbeiten in der Manufaktur durch den Verkauf verschiedener Arbeitskräfte an denselben Kapitalisten, der sie als kombinierte Arbeitskraft verwendet.
Die manufakturmäßige Teilung der Arbeit unterstellt Konzentration der Produktionsmittel in der Hand eines Kapitalisten, die gesellschaftliche Teilung der Arbeit Zersplitterung der Produktionsmittel unter viele voneinander unabhängige Warenproduzenten.
Statt dass in der Manufaktur das eherne Gesetz der Verhältniszahl oder Proportionalität bestimmte Arbeitermassen unter bestimmte Funktionen subsumiert, treiben Zufall und Willkür ihr buntes Spiel in der Verteilung der Warenproduzenten und ihrer Produk-tionsmittel unter die verschiedenen gesellschaftlichen Arbeitszweige.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 375f.
„Die manufakturmäßige Teilung der Arbeit unterstellt die unbedingte Autorität des Kapitalisten über Menschen, die bloße Glieder eines ihm gehörigen Gesamtmechanismus bilden; die gesellschaftliche Teilung der Arbeit stellt unabhängige Warenproduzenten einander gegenüber, die keine andere Autorität anerkennen als die der Konkurrenz, den Zwang, den der Druck ihrer wechselseitigen Interessen auf sie ausübt, ...“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 377.
„Während die Teilung der Arbeit im Ganzen einer Gesellschaft, ob vermittelt oder unvermittelt durch den Warenaustausch, den verschie-denartigsten ökonomischen Gesellschaftsformationen angehört, ist die manufakturmäßige Teilung der Arbeit eine ganz spezifische Schöpfung der kapitalistischen Produktionsweise.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 380.
3. Der kapitalistische Charakter der Manufaktur
„Eine größere Arbeiteranzahl unter dem Kommando desselben Kapitals bildet den naturwüchsigen Ausgangspunkt, wie der Kooperation überhaupt, so der Manufaktur.
Umgekehrt entwickelt die manufakturmäßige Teilung der Arbeit das Wachstum der angewandten Arbeiterzahl zur technischen Notwendig-keit. Das Arbeiterminimum, das ein einzelner Kapitalist anwenden muss, ist ihm jetzt durch die vorhandene Teilung der Arbeit vorgeschrieben. ... Mit dem variablen muss aber auch der konstante Bestandteil des Kapitals wachsen ...
Wachsender Minimalumfang von Kapital in der Hand der einzelnen Kapitalisten ... ist also ein aus dem technischen Charakter der Manufak-tur entspringendes Gesetz.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 380f.
„Wie in der einfachen Kooperation ist in der Manufaktur der funktio-nierende Arbeitskörper eine Existenzform des Kapitals. Der aus vielen individuellen Teilarbeitern zusammengesetzte gesellschaftliche Produk-tionsmechanismus gehört dem Kapitalisten. Die aus der Kombination der Arbeiten entspringende Produktivkraft erscheint daher als Produktiv-kraft des Kapitals. ...
Während die einfache Kooperation die Arbeitsweise der einzelnen im Großen und Ganzen unverändert lässt, revolutioniert die Manufaktur sie von Grund aus und ergreift die individuelle Arbeitskraft an ihrer Wurzel. Sie verkrüppelt den Arbeiter in eine Missbildung, indem sie sein Detailgeschick treibhausmäßig fördert durch Unterdrückung einer Welt von produktiven Trieben und Anlagen ...
Die besonderen Teilarbeiten werden nicht nur unter verschiedene Individuen verteilt, sondern das Individuum selbst wird geteilt, in das automatische Triebwerk einer Teilarbeit verwandelt ...“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 381.
„Wenn der Arbeiter ursprünglich seine Arbeitskraft an das Kapital verkauft, weil ihm die materiellen Mittel zur Produktion einer Ware fehlen, versagt jetzt seine individuelle Arbeitskraft selbst ihren Dienst, sobald sie nicht an das Kapital verkauft wird. Sie funktioniert nur noch in einem Zusammenhang, der erst nach ihrem Verkauf existiert, in der Werkstatt des Kapitalisten. ... Wie dem auserwählten Volk auf der Stirn geschrieben stand, dass es das Eigentum Jehovas, so drückt die Teilung der Arbeit dem Manufakturarbeiter einen Stempel auf, der ihn zum Eigentum des Kapitals brandmarkt.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 382.
„Die Kenntnisse, die Einsicht und der Wille, die der selbständige Bauer oder Handwerker, wenn auch auf kleinem Maßstab entwickelt ... sind jetzt nur noch für das Ganze der Werkstatt verlangt. Die geistigen Potenzen der Produktion erweitern ihren Maßstab auf der einen Seite, weil sie auf vielen Seiten verschwinden. Was die Teilarbeiter verlieren, konzentriert sich ihnen gegenüber im Kapital. Es ist ein Produkt der manufakturmäßigen Teilung der Arbeit, ihnen die geistigen Potenzen des materiellen Produktionsprozesses als fremdes Eigentum und sie beherrschende Macht gegenüberzustellen. Dieser Scheidungsprozess beginnt in der einfachen Kooperation, ... Er entwickelt sich in der Manufaktur, die den Arbeiter zum Teilarbeiter verstümmelt. Er vollendet sich in der großen Industrie, welche die Wissenschaft als selbständige Produktionspotenz von der Arbeit trennt und in den Dienst des Kapitals presst.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 382.
„Die manufakturmäßige Teilung der Arbeit ... entwickelt die gesell-schaftliche Produktivkraft der Arbeit nicht nur für den Kapitalisten, statt für den Arbeiter, sondern durch die Verkrüppelung des individuellen Arbeiters. Sie produziert neue Bedingungen der Herrschaft des Kapitals über die Arbeit.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 386.
„Als spezifisch kapitalistische Form des gesellschaftlichen Produk-tionsprozesses ... ist sie nur eine besondere Methode, relativen Mehrwert zu erzeugen ...“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 386.
„Da das Handwerksgeschick die Grundlage der Manufaktur bleibt und der in ihr funktionierende Gesamtmechanismus kein von den Arbeitern selbst unabhängiges objektives Skelett besitzt, ringt das Kapital beständig mit dem Eigenwillen der Arbeiter. ... Durch die ganze Manufakturperiode läuft daher die Klage über den Disziplinmangel der Arbeiter.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 389f.
„‚Ordnung‘ fehlte in der ... Manufaktur, und ‚Arkwright (der Erfinder der Spinnmaschine) schuf die Ordnung‘.
Zugleich konnte die Manufaktur die gesellschaftliche Produktion weder in ihrem ganzen Umfang ergreifen noch in ihrer Tiefe umwälzen. ... Ihre eigene enge technische Basis trat auf einem gewissen Entwicklungsgrad mit den von ihr selbst geschaffenen Produktionsbedürfnissen in Widerspruch.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 390.
„Erst Maschinen heben die handwerksmäßige Tätigkeit als das regelnde Prinzip der gesellschaftlichen Produktion auf.
So wird einerseits der technische Grund der lebenslangen Fesselung des Arbeiters an eine Teilfunktion weggeräumt. Andererseits fallen die Schranken, welche dasselbe Prinzip der Herrschaft des Kapitals noch auferlegte.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 390.
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